Karate als Lebensweg – Teil 2 und 3

Modul 2 – die vegetative Ebene und die Flexibilität

Im Rahmen der Seminarreihe „Ikikata – ein Lebensweg“ brachte Trainer, Hauptschullehrer und Kinesiologe Konstantin Jordanidis am 19./20. November sowie am 08./09. Dezember 2011 den ca. 40 Teilnehmern zwei weitere Ebenen des fünf Ebenen umfassenden Lebenskräftemodells in Theorie- und Praxiseinheiten näher.

Die „vegetative oder pflanzliche Ebene“ als zweite, statische Kraft in unserem Leben und die „Flexibilität“ als deren dynamische Komponente waren Inhalt von Modul 2. Es ist die Ebene, in der alle für das Leben erforderlichen Körperfunktionen unwillkürlich gesteuert und Überlebens- strategien entwickelt werden.

Neben der Steuerung dieser vegetativen Abläufe (Herztätigkeit, Blutdruck, Verdauung, Stoffwechsel, ...) ist sie auch für die Gefühlswelt des Menschen zuständig und in Verbindung mit Integrität lässt sie uns als „höhere“ Wesen reagieren. Diese Symbiose stellt die Basis dar, auf der wir Menschen unsere ethischen und moralischen Wertvorstellungen entwickeln und schlussendlich nach diesen und nicht alleine nach den Urinstinkten handeln. Aus gelebten Regeln des Zusammenlebens kann somit ein hohes Maß an menschlicher Kultur entstehen.

Flexibilität – die einzige „Konstante“ im Leben ist Veränderung!

Was bedeutet das für uns, für unser Leben? Sich auf Veränderungen einzustellen, diese zu akzeptieren, sich selbst dabei zu verändern und somit die Grundlage der Entwicklung des Individuums zu ermöglichen.
Karate bietet die ideale Form, diese Flexibilität zu entwickeln, die für den menschlichen Fortschritt auf geistiger und körperlicher Ebene notwendig ist.
Aus den traditionellen Gedanken des Karate kann immer wieder eine Verbindung zu den 5 Ebenen der Ontologie hergestellt werden, die unsere Lebenskräfte wahrnimmt und ihr Wirken erlaubt.

In den drei Praxiseinheiten konnten alle Teilnehmer die Theorie an sich selbst in Erfahrung bringen.

Hier stand das „Er-Spüren“ des eigenen Körpers in den jeweiligen Kata-Stellungen, beim Durchführen der einzelnen Techniken und beim Atmen im Vordergrund.

Durch die ausgewählten Übungen wurde den Teilnehmern sehr schnell bewusst, welches Potential in Karate steckt. Sie konnten durch die jeweiligen Übungsabfolgen unmittelbar mit ihrer eigenen vegetativen Ebene in Kontakt treten, sich und ihren Gefühlszustand in den einzelnen Situationen betrachten und dadurch mit sich selbst auf einer neuen Ebene kommunizieren.

Eine sehr variable Trainingsgestaltung brachte die Übenden auch dazu, flexibel auf neue äußerliche Reize zu reagieren. Die dabei entstehende Anpassungfähigkeit ermöglicht es uns, Menschen in den unterschied-lichsten Lebenssituationen objektiv und angemessen begegnen zu können.


Modul 3 – in der instinktiven Ebene entsteht der Kontakt mit der Umwelt.

Im „Ikikata – Lebenskräftemodell“ wird diese Ebene durch die „tierische Kraft im Menschen“ dargestellt, welche durch die dynamische Kraft der „Reflexion“ mit der nächsten Ebene in Verbindung tritt.

Schwerpunkt des dritten Moduls war deshalb auch den „tierischen Anteil unseres Ichs“ zu erkennen, ihn anzunehmen und wertzuschätzen. Bewirkt die Energie der vegetativen Ebene in uns die biologische Lebensfähigkeit als Individuum so sind die instinktiven Kräfte erforderlich um unser Überleben gegen Gefahren von außen sicher zu stellen.
Anhand verschiedenster Beispiele präsentierte Konstantin Jordanidis anschaulich, wie dieser „tierische Anteil“ im Menschen zu verstehen ist und wirkt.
Die Lebendigkeit der Vorträge aus den Modulen 1 und 2, das wachsende Verständnis der Teilnehmer für das Lebenskräftemodell selbst und somit für die Vorgänge im Leben ermöglichten, dass sich dieser dritte Theorieteil zu einem interessanten und lehrreichen Fragen – Antwortspiel entwickelte.
Dass dabei die Fragen durchwegs im „Karate – Lebensweg – Kontext“ beantwortet werden konnten war eine Bestätigung für das „Ikikata – Modell“ und ließ es damit auch allen immer klarer werden.

Austausch in der instinktiven Ebene – wertfrei beobachten und kommentieren

Die Praxiseinheiten standen ganz im Zeichen der gemeinsamen Arbeit.
Mit einem Partner wurden zuerst einfache und dann immer schwerer werdende Bewegungsabläufe koordiniert, woraus ein gegenseitiges, wertschätzendes „Geben und Nehmen“ (Erfahrungsaustausch) entstand.
Die jeweiligen Partner wurden angehalten, die Aktionen des anderen objektiv (wertungsfrei) zu kommentieren, um dem Partner eine neue Sichtweise seiner Persönlichkeit zu eröffnen. Die eigenen Aktionen (Stellungen, Techniken, Bewegungsmuster) wurden aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet und beurteilt – weitere Schritte in der persönlichen Entwicklung konnten stattfinden!
Beide Module unterstrichen die besondere Rolle, die Karate für die Entwicklung von Gesundheit und der eigenen Persönlichkeit einnimmt.
Wer regelmäßig Bewegungen durchführt, die den Energiefluss im Körper anregen, fördert damit bewusst und gezielt die eigene Gesundheit. Die Bewegungsvielfalt des Karatetrainings verbindet ihn zudem – bei entsprechender Eigenbeobachtung – mit seinen Lebenskräften, die Motor für ein erfülltes und authentisches Leben sind.
Nehmen wir das eigene Leben an, weil es uns entspricht, werden wir zu körperlich und seelisch gesunden Menschen – „Ikikata-Karate“ ist ein ideales Mittel, dies zu erreichen.

Januar 2012
Konstantin Jordanidis und Peter Karg

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